Die Verschwisterung von Hemmoor und Couhé kann bald gefeiert werden. Darüber berichtete die Niederelbe-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 30. Juli 2026 wie folgt:
„Diamantene Hochzeit“ in 2027
Partnerschaft zwischen Hemmoor und Couhé besteht seit fast 60 Jahren / Besuch Anfang September an der Oste
VON EGBERT SCHRÖDER
Hemmoor. Ein Jahr vor ihrer „Diamantenen Hochzeit“ turteln die beiden Partnerorte Hemmoor und Couhé wieder intensiv: Anfang September ist ein Besuch der Franzosen an der Oste angesagt. 1967 ist die Partnerschaft offiziell unter Dach und Fach gebracht worden. Ursprünglich war es sogar eine Dreiecksbeziehung, doch inzwischen haben sich die Briten aus Swaffham von den Deutschen und Franzosen scheiden lassen.
Im Oktober 1967 hatte die damalige Gemeinde Warstade – heute ein Stadtteil Hemmoors – offiziell einen „Partnerschaftsvertrag“ mit Couhé besiegelt. Der französische Ort befindet sich 35 Kilometer südwestlich von Poitiers und rund 350 Kilometer südwestlich von Paris. Die Zahl der Einwohner und Einwohnerinnen ist überschaubar und bewegt sich bei unter 2000.
„Mausklick“ hat vieles verändert
Doch vielleicht hat gerade diese Überschaubarkeit dazu geführt, dass die deutsch-französische Beziehung über Jahrzehnte hinweg noch existiert; wenn auch auf veränderter Basis. Denn die Ursprünge der Partnerschaft beruhten darauf, dass „Fernreisen“ ins europäische Ausland damals nicht selbstverständlich waren. Viele Jugendliche und Erwachsene nutzten daher generell die Chance, gemeinsam in einem Bus mehrere hundert Kilometer zurückzulegen, um dann in Frankreich, Spanien oder auch in Großbritannien mehrere Tage zu verbringen und Freunde oder Bekanntschaften zu knüpfen.
Mittlerweile reicht ja nur ein Mausklick, um einen Urlaub oder Aufenthalt in Europa zu buchen …
Die tradierten Formen einer Partnerschaft zwischen Städten und Dörfern sind daher in vielen Fällen weitgehend überholt. So auch in Hemmoor: Swaffham (Großbritannien) hat die Beziehungen zu Hemmoor und Couhé gekappt. Die Verbindung bestand ohnehin nur noch auf dem Papier. Und die Beziehung zu Rüdersdorf (Brandenburg)? Der Kontakt existiert zwar noch, doch richtig gelebt wird die Partnerschaft auch nicht. Das ist aber ganz gewiss nicht nur ein Hemmoorer Phänomen, sondern beispielhaft für andere Orte im Cuxland.
In Hemmoor konzentriert man sich daher vorwiegend auf die Partnerschaft mit den Freunden in Couhé – und die scheint stabil zu sein. Sabine Cordes leitet in Hemmoor den Verein, der sich um die Partnerschaften kümmert und der Anfang September Besuch aus Frankreich erwartet. Der Termin ist nicht zufällig gewählt, sondern erfolgt an dem Wochenende, an dem auch die Cuxland-Ausstellung stattfindet. Die Franzosen präsentieren sich auf dieser Messe traditionell mit einem eigenen Stand, an dem sie unter anderem Wein und viele andere kulinarische Kostbarkeiten aus ihrer Region anbieten.
Der Messestand ist meist gut besucht, ein Treffpunkt und zugleich auch die Chance, den Gedankenaustausch zwischen Deutschen und Franzosen in Gang zu bringen.
Muss man dafür spezielle Sprachkenntnisse haben? „Nein“, sagt Sabine Cordes. Die Konversation gestalte sich einfach; noch dazu über moderne Übersetzungsprogramme per Handy. Man müsse also nicht mit Händen und Füßen ein Gespräch führen, sondern manchmal helfe bei fehlenden Sprachkenntnissen auf beiden Seiten auch der Griff zum Mobiltelefon.
Doch diese Form der Verständigung steht für sie primär nicht im Vordergrund. Vielmehr möchte sie auch gerade Kinder und Jugendliche dazu animieren, mit Gleichaltrigen in Couhé in Verbindung zu treten. In der Wingster Grundschule gibt es bereits ein entsprechendes Projekt und auch in Hemmoor erfolgt ein Austausch zwischen Schulen. Das ist auch notwendig, denn zwar gibt es viele langjährige Beziehungen zwischen (inzwischen älteren) Hemmoorern und Bürgern aus Couhé, aber der Übergang in die nächste Generation muss noch gelingen.
Sport soll neue Brücken bauen
Aber wie? Dazu soll auch ein „Arbeitsgespräch“ kurz vor der Eröffnung der Cuxland-Ausstellung am 5. September beitragen. Dabei steht der „Sportliche Jugendaustausch“ im Mittelpunkt. So soll versucht werden, über den Sport die Menschen aus Couhé und Hemmoor für gemeinsame Aktivitäten zu animieren. „Wir hoffen, dass wir viele junge Menschen begeistern können“, sagt Sabine Cordes. Und Sport sei ja nun einmal eine Sprache, die man überall kenne und die verbinde.